Adresse: 56820 Senheim, Brunnenstr. 100
Kirche St. Katharina Senheim
Kirche St. Katharina Senheim

Die Senheimer Kirche entstand auf dem Boden einer königlichen Schenkung. Sie kann somit eine der ältesten Pfarrbezirke aufweisen. Um 1200 war Senheim Tauf- und Mitterkirche eines Pfarrbezirkes von 14 Gemeinden, z.B. wird Mesenich 1088 als Filialkirche von Senheim genannt. Geschichtliche und archäologische Befunde weisen auf mehrere aufeinanderfolgende Bauten hin. Zeitgleiche Befunde bezeugen sakrale Holzbauten des 7.-8. Jahrhundert. Der noch erhaltene Turm mit vier rundbögigen Fenstern ist in die Hochromanik einzuordnen. Einen dritten Sakralbau belegen Putzrete an der Ostseite des Turmes. Fundamentreste sicher die spätgotische Zeit ab. Der "Turmhelm" stammt ebenfalls aus dem 15. Jh.
Durch den Bevölkerungszuwachs nach dem 30jährigen Krieg wird eine "Mutter-Gottes-Kapelle" auf der Nordseite angebaut. Der vierte Sakralbau wird 1765 durch den Baumeister Paul Stähling aus dem Elsass errichtet. Es stellten sich bald große Mängel der Gewölbestatik ein. 1769 wird das Deckengewölbe durch den Minoritenlaienbruder Oderich Weiler wieder erneuert. Seit dieser Zeit lebten die Senheimer erneut unter "Einsturzgefahr" - was endlich bei Nacht 1864 mit "donnerartigem Getöse" geschah. Das Gewölbe stürzte ein. Eine Holznachbildung ersetzt nun das Steingewölbe. Der barocke Saalbau, mit seinen 16 großen Fenstern ist damit bis heute erhalten geblieben.
Patrozinium und die Innenausstattung: Der erste Patron der Kirche war Remigius (+533 in Reims). 1502 wurde die Hl. Gertrud neben der Hl. Katharina genannt. Seit Mitte des 17. Jh. ist Katharina die alleinige Patronin der Kirche. Ein Mutter-Gottes-Altar wird 1464 von den Sponheimer Grafen gestiftet. Zu dieser Zeit war die Senheimer Vogtei im Besitz Sponheims. Ein Sebastianusaltar wird erstmalig 1535 genannt. Die "Pieta", siehe von rechts, und der Hl. Sebastianus, hinten links über dem barocken Taufbecken stehend, sind erhalten geblieben. Auch wird von einem neuen Hochaltar 1715 berichtet. Nach dem Einsturz des Gewölbes von 1864 wird der Sakralraum in Neugotik eingerichtet. Neben zwei Seitenaltären, Sebastianus- und einem Marienaltar, prunkt nun ein großer Klappaltar. 14 Kreuzwegstationen, nach Nazarener Art in neugotischer Rahmung, vervollkommnen das "historische Ensemble". Zeitgleich erhält die Kriche ein neues Taufbecken und neue Sitzbänke. Die Kanzel, Beichtstühle und das Chorgestühl haben den Gewölbeeinsturz überstanden und werden integriert. Die Ausmalung entsprach ebenfalls der des 19. Jh. Das zweite vatikanische Konzil gab dieser Kirche eine neue liturgische Raumordnung. Ein neuer Altar und Ambo stehen im vorderen Bereich des Chores. Das Renovierungskonzept sah vor, eine diesem Bau des 18. Jh. gerechte Ausstattung wiederzugeben. Der neugotische Klappaltar fand in Plaidt Aufstellung. Die Seitenaltäre und die 14 Kreuzwegstationen werden demontiert gelagert. Die Kanzel, Beichtstühle, Chorgestühl und die Sitzbänke des 19 Jh. verbleiben. Das Taufbecken aus dem 19. Jh erhält einen neuen Standort unter der Empore. Als "Gegenleistung" für den Verlust des neugotischen Klappalteres erhält Senheim einen brocken Hochaltar. Ehemaliger Standort war St. Katharina bei Linz am Rhein. Eine behutsame Restaurierung des Altares und der noch vorhandenen Ausstattung aus dem 18. Jh sorgt für ein geschlossenes Gesamtbild. Die Ausmalung des Raumes wurde barockisiert nachempfunden. Der Hochaltar ist eine Besonderheit barocker Sakralkunst. Das Altarbild - der gekreuzigte Jesus - wurde von Januarius Zick gemalt. Er wurde 1730 in München geboren und erhielt im väterlichen Betrieb eine fundierte Ausbildung als Kirchenmaler. Seit 1760 lebte er in Ehrenbreitstein als kurtrierischer Hofmaler. Neben seinen Tafelbildern, auch Fresken (Schloss Engers), verarbeitet er Inhalte des ausgehenden Rokokko und des frühen Klassizismus. Möbelentwürfe für die Familie Roentgen sind auch bekannt. Er starb 1797.
Die Orgel dieser Kirche ist ein Werk von Franz Wilhelm Sonreck aus Köln. 1881, zu Weihnachten, wurde diese Orgel fertig. Das Instrument befindet sich noch heute im Originalzustand und ist damit von großem historischem Wert (bestätigt Orgelbaumeister Huber Fasen). Sonreck steht in der Bauweise-Tradition des Balthasar König (Beilstein, Rachtig, Wollmerath). Ein selbständiges Pedal - 16' 8' 4' - war geplant aber aus "Sparsamkeitsgrunden" bis heute nicht ausgeführt.
Text: Christoph Anders, Literatur: Dr. Dr. Ferdinand Pauly - Dr. Friedhelm Buschbaum
